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von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München
"Was
sind Narben?"
Bei jeglicher Verletzung der Haut wird der natürliche Aufbau der
Haut zerstört. Typische Hautverletzungen mit Narbenbildung sind Wunden
oder tiefe Hautentzündung (Akne), Operationen, Tätowierungen,
Verbrennungen uvm. Bei der Wundheilung versucht der Körper,
den alten - gesunden - Zustand wieder herzustellen. In den wenigsten Fällen
gelingt das jedoch ohne sichtbare Folgen. Meist wird die Verletzung oder
Wunde durch Gewebszellen zusammengefügt und verschlossen, welche
nicht ganz dem ursprünglichen Gewebe entsprechen. Dieses Ersatzgewebe
kennen Sie als mehr oder weniger sichtbares Narbengewebe. Jede Wundheilung
verläuft anders. Manche Menschen neigen dazu, große oder wulstförmige
Narben zu bilden. Diese Neigung ist meist angeboren, kann aber auch Folge
z.B. einer Wundverschmutzung sein. Narben können verschieden aussehen:
groß und wuchernd, rot, hautfarben oder weißlich. "Hypertrophische"
Narben nennt man große Narbenwucherungen, die sich auf das ehemalige
Wundareal beschränken. "Keloide" nennt man Narben, die
seitlich über die Wunde hinaus wuchern. Keloide sehen wir häufiger
nach Verätzungen oder Verbrennungen, aber auch bei unsauberen Wunden,
nach schwierigen Operationen. Häufig ist anlagebedingte Keloidbildung
bei Afrikanern. Eingesunkene, geschrumpfte oder tiefe Narben entstehen,
wenn zu wenig Bindegewebsfasern neu gebildet werden. Gerade nach Abszessen
der Haut und nach schwerer Akne bilden sich nicht selten trichterförmige
und eingezogene Narben. Häßliche Narben sieht man oft über
bestimmten Körperregionen: Schultern, Brustbein.
"Sind
Narben gefährlich?"
Narben sind nicht gefährlich. Lediglich Narbenbildung nach Bestrahlung
muß sorgfältig beobachtet werden, da sich auf Bestrahlungsnarben
nach Jahren (selten) Hautkrebs bildet. Narben können allerdings sehr
störend aussehen. Viele Frauen fühlen sich beispielsweise durch
Aknenarben entstellt. Außerdem können große, straffe
Narben die Beweglichkeit einzelner Gelenke vermindern.
"Sind
Narben heilbar?"
Narben sind nicht heilbar in dem Sinne, daß sie spurlos verschwinden.
Glücklicherweise "heilt" der Körper die Narben teilweise
selbst: ca 9 - 18 Monate lang nach einer Verletzung werden Narben im allgemeinen
immer "schöner". Das bedeutet, daß sie immer flacher,
weicher und blasser werden. Daher sollte eine Beurteilung einer Narbe
oder eine intensive (operative) Narbenbehandlung frühestens 1 Jahr
nach der Wundheilung beginnen.
"Was
kann ich selbst zusätzlich tun, damit die Heilung eintritt?"
Narbenbildung kann man vorbeugen, indem man die Wundheilung möglichst
ungestört ablaufen läßt. Das bedeutet, daß Sie eine
heilende Wunde nicht belasten sollten: kein Zug, kein Druck, keine starke
Dehnung. Selbst Monate nach der Heilung ist die ehemalige Wunde noch empfindlicher
als normale Haut auf Zugbelastung. Wichtig ist Geduld bei der Narbenbehandlung:
Narbiges Bindegewebe ist sehr schlecht durchblutet und wächst langsam.
Jeder Behandlungserfolg kann daher erst nach längerer Zeit sichtbar
werden. Vor jeder Operation muß sorgfältig überlegt werden:
durch die Operation könnte die Narbe noch größer werden,
als sie vorher war. Wollen Sie dieses Risiko eingehen?
"Die Narbenbehandlung"
Nach Operationen oder sonstigen Hautverletzungen, wo eine häßliche
Narbenbildung befürchtet werden kann, sollte man frühzeitig
mit der vorbeugenden Narbentherapie beginnen.
Es gibt verschiedene Salben (z.B. Contratubexslabe), welche die Narbenbildung
vermindert. Diese Salben müssen über längere Zeit (einige
Wochen bis Monate) 2 mal täglich intensiv einmassiert werden. Spezielle
Folien können - über Monate angewendet - Narben ebenfalls verkleinern.
Auch das Anlegen eines ständigen Druckverbandes über der Narbe
ist manchmal hilfreich. Manche Narben bilden sich zurück, wenn man
mehrfach Kortison in die Narbe spritzt. Auch durch Vereisung läßt
sich manche Narbe verkleinern.
Es gibt darüberhinaus verschiedene operative Verfahren, Narben zu
behandeln: Abschleifen, Herausschneiden, Lasern. Immer muß bedacht
werden, daß eine Verletzung der Haut durch die Operation die Narbenbildung
unter ungünstigen Umständen weiter verstärkt.
Leider
wird die Behandlung von Narben von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen
bezahlt, wenn z.B. nach Verbrennungen die Funktion der Hand eingeschränkt
ist. Sogenannte "kosmetische" Behandlung oder Schönheitsbehandlung
muß der Patient selbst übernehmen. Gerne werden wir Sie über
eventuelle Kosten beraten.
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